Ein kapazitiver Touchscreen ist in der Medizintechnik längst Standard, doch nicht jeder Bildschirm ist für medizinische Geräte geeignet. In der Medizintechnik ist die Bedienbarkeit von Geräten nicht nur eine Komfortfrage – sie ist sicherheitskritisch. Touchscreens sind längst Standard in vielen Anwendungen. Kapazitive Touchscreens setzen sich immer stärker durch – und das aus gutem Grund.
Was ist ein kapazitiver Touchscreen?
Ein kapazitiver Touchscreen funktioniert nicht durch Druck, sondern durch die Veränderung eines elektrischen Feldes. Wird ein leitfähiges Objekt – z. B. ein Finger – auf die Oberfläche gelegt, verändert sich die Kapazität an dieser Stelle. Die Steuerung erfolgt präzise und schnell, oft mit Multi-Touch-Unterstützung.
Warum sind kapazitive Touchscreens in der Medizintechnik so beliebt?
1. Hygiene und Reinigung
Oberflächen in der Medizintechnik müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Kapazitive Touchscreens lassen sich nahtlos und glasbündig in Gehäuse integrieren. Damit sind sie leicht zu reinigen und widerstehen auch aggressiveren Desinfektionsmitteln – ein klarer Vorteil gegenüber resistiven oder mechanischen Eingabesystemen. In OP-Räumen werden kapazitive Touchpanels verwendet, da sie selbst mit alkoholischen Reinigern zuverlässig funktionieren und keine Schmutzkanten aufweisen.
2. Bedienbarkeit mit Handschuhen
Ein häufiger Irrtum: Kapazitive Touchscreens funktionieren nicht automatisch mit allen Handschuhen. Doch moderne Entwicklungen – sogenannte Projected Capacitive (PCAP)-Systeme oder CTP (Capacitive Touchpanel) – sind auf medizinische Handschuhe abgestimmt und erkennen selbst geringe Kapazitätsänderungen durch mehrlagige Materialien hindurch. Für optimale Ergebnisse sollte der Touchscreen kalibriert oder bereits auf typische Handschuhtypen angepasst sein.
3. Optische Brillanz und Lesbarkeit
In medizinischen Geräten ist eine klare Darstellung entscheidend – sei es bei der Anzeige von Vitaldaten, Röntgenbildern oder Bedienmenüs. Kapazitive Displays bieten eine hohe Transparenz, da keine zusätzlichen druckempfindlichen Schichten dazwischenliegen. Das sorgt für maximale Helligkeit, Kontrast und Farbtreue. Flüssiges optisches Bonden, auch bekannt als LOCA (Liquid Optically Clear Adhesive) Bonden, ist ein Verfahren zur Verbesserung der Leistung und Haltbarkeit von Displays, indem der Luftspalt zwischen Abdeckglas, Touchscreen und LCD-Panel eliminiert wird. Bei dieser Technik wird ein transparenter Flüssigkleber verwendet, um diese Komponenten miteinander zu verbinden. Das Ergebnis ist eine verbesserte optische Klarheit, reduzierte Reflexionen und eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit und Staub.
4. Mechanische Robustheit
Kapazitive Touchscreens haben keine beweglichen Teile und bieten dadurch eine hohe Lebensdauer. Mit chemisch gehärtetem Glas oder verbundglasbasierten Lösungen lassen sich Displays auch gegen Stoß, Kratzer und Feuchtigkeit absichern – perfekt für den harten Klinikalltag.
Technische Anforderungen für Medizintechnik
- EN/IEC 60601-1: Medizinische Sicherheit
- IP-Schutzklasse ab IP65 oder höher: Schutz gegen Flüssigkeiten und Staub
- EMV-Schutz: Keine Störung empfindlicher Medizingeräte
- Langzeitverfügbarkeit: Gehäuse- und Formatkompatibilität über Jahre hinweg
- Touchcontroller-Kompatibilität mit gängigen Embedded-Plattformen (z. B. ARM, x86)
OEM-Lösungen: Maßgeschneiderte Touchsysteme für Medizinprodukte
Ein Hersteller, der kapazitive Touchscreens für medizinische Anwendungen anbietet, muss nicht nur technisch liefern – auch die Dokumentation, Validierung und Zertifizierbarkeit sind entscheidend. Daher bieten viele Anbieter:
- Kundenspezifische Frontglasgestaltung (mit Logo, Symbolen, Farbflächen)
- Integration von Display, Touch und Controller als Einheit
- Montageoptionen wie Rahmenkleber oder EMI-Schutzfolien
- Kompatibilität mit Touch-Gestensteuerung oder haptischem Feedback
- Coverglass
Kapazitive Touchscreens sind für die Medizintechnik nicht nur eine Frage des Designs, sondern eine funktionale Notwendigkeit. Sie vereinen Hygiene, Präzision und Haltbarkeit – bei gleichzeitiger Flexibilität in Design und Funktion. Wer als Hersteller zukunftsfähige Bedienlösungen für medizinische Geräte anbieten möchte, kommt an PCAP-Technologie nicht vorbei.